Mosel, Maare, Vulkaneifel
Wochenendtour des ADFC Bad Homburg 2003
Prolog
Im Oktober 2002 schwärmte eine Zufallsbekanntschaft so
überzeugend vom Mosel-Maare-Radweg, dass der Chronist diesen
Radweg auf einer
ehemaligen Bahntrasse näher kennenlernen wollte.
Nach einigen Recherchen wurde deutlich, dass eine Radtour wegen der
etwas mühseligen Anreise mit der Deutschen Bahn nur als
Zwei-Tagestour sinnvoll erschien. Als Übernachtungsort bot sich
einer der beiden Endpunkte des Radwegs, die Eifelgemeinde Daun, an.
Nach weiteren Erkundigungen zur An- und Rückreise mit der Bahn kam
als Ausgangsort in der Eifel nur Wittlich in Betracht. Der Vorteil:
dieser Ort liegt direkt am Mosel-Maare-Radweg, die Nachteile: der
Reisepreis inklusive Fahrradkarten und IC-Reservierung hätte für 10 Personen 272 €
betragen, die Hinreise hätte mit zweimaligem Umsteigen über
drei Stunden gedauert, die Rückreise sogar über vier Stunden
und wir hätten für die Rückfahrt spätestens um 16:35 den Zug in Wittlich
erreichen müssen. Diesen (Dis)Stress wollte sich der Chronist auf
jeden Fall ersparen. Gab es keine intelligentere Lösung?
2003-08-10
Unsere Gruppe traf sich an dem Samstagmorgen um 07:45 an der
U-Bahnstation Bad Homburg-Gonzenheim. Aber nicht, um von dort aus mit
öffentlichen Verkehrsmitteln unsere Reise zu beginnen, sondern um
zur 200 m entfernten Hertz-Mietwagenstation zu
radeln. Dort wurden die Räder und die Satteltaschen in einen
Ford-Transit geladen und festgezurrt. Drei Mitradler fanden in der
Fahrerkabine des Mietwagens Platz, die übrigen sieben Radler im VW
Sharan des Tourenleiters. Im lockeren Mini-Convoy ging es an Mainz
vorbei nach Zell an der Mosel. Beide Fahrzeuge wurden auf einem
Parkplatz direkt am Moselufer abgestellt, die Fahrräder entladen
und um 10:20 begann dann effektiv unsere Radtour. Nach wenigen
Kilometern moselabwärts bogen wir in Bullay in die Vulkanroute-Eifel ein. Bis Bad Bertrich wand sich
der Weg durch das idyllische Alf-Tal ganz gemächlich 75
Höhenmeter bergauf. Bis Bad Bertrich-Kennfus hingegen war ein
hübscher Aufstieg zu meistern (225 Höhenmeter auf 5 km), um
auf die Eifelhöhen zu kommen. Bei Lutzerath wurden ein
Getränkeshop und eine Tankstelle geplündert, um kurz danach
im spärlichen Schatten einer Strassenrandbegrünung in der
Mittagshitze zu rasten (Gabi und Lioba, Björn). Der Vulkanrouten-Radweg blieb mit
seinen kurzen steilen Abfahrten und Aufstiegen zwischen
hitzeüberflimmerten Stoppelfeldern sportlich sehr fordernd; Pausen
zur Regeneration im Schatten vereinzelter Baumgruppen waren
häufiger nötig. Bei Schmitt musste nach solch einer Pause der
erste Platten behoben werden (Rainer), in Ulmen
eine gebrochene Speiche (selbstverständlich auf der
Zahnkranzseite) ersetzt werden. Die Hitze und die Aufstiege zerrten
massiv an den Kräften; der Vorschlag des Tourenleiters, die
Strecke zwischen Ulmen und Daun mit der Eifelquerbahn
zurückzulegen, wurde dankbar angenommen. Nach einem Abendessen in
einem Balkan-Restaurant in Daun und den letzten Kilometern hoch zur
Jugendherberge am Ortsrand (Ergin und Elke hier
vor der JH) wurde erstmal der Staub und die Hitze des Tages weggeduscht
- eine Wohltat nach ca 45 km, die es aber in sich hatten. Der Tag klang
in einem Pavillon über der JH mit einem Höhen-Feuerwerk extra
für uns (naja, also etwas korrekter: im Rahmen der
Dauner Laurentiuskirmes) aus.
2003-08-11
Nach einer warmen Nacht in den Zwei-Personen-Zimmern mit separatem
Sanitärtrakt gab es ein Frühstücksbuffet ab 08:00.
Quintessenz: die JH Daun ist guten Gewissens weiter zu empfehlen.
Bepacken der Räder (Michaela) und Abfahrt um
09:10. Nach dem Einfädeln auf den Maare-Mosel-Radweg über
eine erst in diesem Jahr angelegte Zufahrt oberhalb der JH fuhren wir
zunächst zum Dauner Viadukt zurück. Noch ein Blick auf die
Dauner Dächer - und in Gegenrichtung ging es wieder zum "Grossen
Schlitzohr", einem früheren Eisenbahntunnel, hinauf (Tunnelausgang, Tunneleingang).
Bei Schalkenmehren verliessen wir kurz den Radweg, um einen Blick auf
eines der Maare zu werfen. Über wunderschöne Ebenen und durch
ausgedehnte Wälder, häufig fernab des Autoverkehrs, radelten
wir mit moderaten Steigungen, aber auch mit langgezogenen
Gefällestrecken im zügigen Tempo - Genussradeln pur. Bei
Wallscheid sammelten wir uns und unsere Kräfte (Volker,
Rainer und Cornelia, Elke und
Ergin, Werner), bevor es rasant - auch durch
drei Tunnel - nach Wittlich hinabrollte. Bei Lieser erreichten wir
nicht nur die Mosel, sondern auch in der Mittagshitze ein lauschiges
labendes Laubenplätzchen bei einem Winzer. Noch 48 km durch das
romantische Moseltal, vorbei an malerischen Städten wie
Bernkastel-Kues, Kröv (hier Rainer als doch
nicht so einsamer Schwimmer in der Mosel bei Wolf), Traben-Trabach und
Briedel zurück nach Zell. Noch eine letzte kurze Pause nach den
107 km des heutigen Tages und die Fahrräder werden wieder im
Mietwagen verladen (Ergin bricht sich zunächst
einen ab, erkennt aber auch, dass es ganz einfach
geht). Das Resümee dieser Art der Anreise, auch im Vergleich
zur ursprünglich geplanten Bahnanreise: Reisekosten von unter 200
€, keinmaliges Umsteigen und eine Reisezeit von brutto zweieinhalb
Stunden. Und das Ganze ohne Stress! Mehdorn wird es zukünftig
etwas schwerer haben, uns als Kunden der DB für Mehrtagesradtouren
zu halten ...
Zur Ansicht der Fotos bitte auf das entsprechende
Daumennagel-Foto
klicken.

ADFC Bad Homburg Webmaster