RuhrRadReise des ADFC Bad Homburg 1999
Die traditionelle mehrtägige Tour der ADFC-Ortgruppe Bad Homburg führte
uns wieder entlang einiger Flüsse in Deutschland: Ruhr, Rhein und
Lippe. Die dabei entstandenen Fotos können entweder über dieses
Tagebuch (unsere Empfehlung) oder über einen Fotoindex
aufgerufen werden.
Donnerstag, 13.05.1999
Die erste Herausforderung des Tages: Treffen vor 7:00 am Bad Homburger
Bahnhof - und das an einem Feiertag. Fahrt mit der S-Bahn (Jürgen)
nach Frankfurt Hbf, von dort mit einem Interregio nach Hagen (Peter,
Ute, Alex). Zu einem kurzen ungeplanten Halt wurde
unser Zug durch einige ausgebrochene Rinder gezwungen, denen im gleichbleibenden
Abstand von 300 Metern ein Bauer und sein Sohn, mit einer Forke bewaffnet,
als Sauerländer Cowboys hinterhereilten. Am Hagener
Hauptbahnhof war unsere Gruppe komplett und die eigentliche Radtour
konnte beginnen. Nach einer kurzen Fahrt aus der Stadt hinaus wurden wir
relativ zuverlässig durch die Radwegbeschilderung
an der Ruhr entlang geleitet. An diesem schönen Sonnentag waren wir
zum Glück nicht die einzigen, die auf den Fahrrädern unterwegs
waren; besonders am Nordufer des Kemnader Stausees wurde es teilweise etwas
eng. Die einzige Besichtigung, die heute vorgesehen war, zwang uns leider
für einige Zeit an stärker befahrene Straßen: die Hattinger
Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern. (Leider gibt es keine Fotos
mehr für den Rest des Tages, da die Akkus der Digitalkamera des Chronisten
leer waren. Eine kleine konstruktive Schwäche war die Ursache: zum
Einschalten reicht ein kurzer Druck auf die On/Off-Taste, zum Ausschalten
mußte dieselbe Taste mindestens eine Sekunde gedrückt gehalten
werden. Und dieser kurze Einschaltdruck wurde beim Befahren holpriger Uferwege
schnell erkannt ...). Weiter entlang der Ruhr, noch eine kleine Kaffeepause
in der "Zornigen Ameise" und die letzten Kilometer bis zu unserem Tagesziel,
dem "Landheim Baldeney" unterhalb der Villa Hügel. Einige Worte zur
Vorbereitung einer RadReise: nach dem Festlegen der ungefähren Reiseroute
und der jeweiligen Tagesziele müssen die logistischen Eckpunkte, nämlich
die Anreise per Bahn und die Übernachtungen, schnellstmöglich
gebucht werden. Nach einem Blick in das Essener Gastgeberverzeichnis war
für uns klar, das uns bei diesem Preisgefüge nur eine Übernachtung
in einem Gruppengästehaus finanziell zuzumuten war. Von allen halbwegs
auf unserer Route liegenden Häusern war das Landheim Baldeney das
einzige, in dem noch (zwei Monate zuvor!) Betten frei waren. Etwas befremdlich
war schon, daß uns von der evangelischen Kirchengemeinde Essen-Frohnhausen,
die dieses Landheim bewirtschaftet, ein Mietvertrag (samt Hausordnung)
zugeschickt wurde, der für die eine Nacht unterzeichnet zurückgeschickt
werden mußte. Ebenso ungewöhnlich war, daß die vereinbarte
Miete zuvor überwiesen werden mußte. Angesichts der Probleme,
überhaupt eine Bettstatt zu finden, haben wir sogar in Kauf genommen,
selbst Bettwäsche mitzuschleppen, da sie vor Ort nicht gestellt werden
könne. Der größte Hammer war aber, daß wir bei unserer
Ankunft vor verschlossenen Türen standen: kein Hausmeister weit und
breit, der uns hätte öffnen können. Was tun an einem Feiertag,
um 19:00, mit 12 Radlern nach einem anstrengenden Tag, ohne lange zuvor
geplante Übernachtungsmöglichkeit?
In der Not erwächst das Rettende.
Direkt neben dem Landheim Baldeney (das auch von außen keinen
sehr gepflegten und einladenden Eindruck machte und vor dessen Buchung
wir nach unseren Erfahrungen nur nachdrücklich warnen können!)
liegt das von der Stadt Essen betriebene Emil-Frick-Heim. Bei einem vorbereitenden
Besuch hatte der Chronist bereits vereinbart, das wir dort zumindest Bettwäsche
ausleihen und am nächsten Morgen frühstücken können.
Die dort arbeitenden Damen und Herren hatten, alarmiert durch unsere vergeblichen
Bemühungen, mit dem Hausmeister des Landheims telefonisch Details
unserer Unterbringung zu klären, ihrerseits versucht, mit der Kirchengemeinde
Frohnhausen in Verbindung zu treten. Leider ebenso vergeblich, an diesem
Feiertag. Unsere Notlage erkennend, boten sie uns daher kurz entschlossen
bei unserer Ankunft ein Matratzenlager in ihrem Heim an. Eine kurze Gruppendiskussion,
ein, zwei frustrierende Anrufe bei einigen Hotels in der Nähe und
unsere Entscheidung stand fest: sehr gerne und dankbar gingen wir auf das
Angebot ein. Der rechtlichen Auseinandersetzung mit der Verwaltung des
Landheim Baldeney, mit der wir ja einen gültigen Mietvertrag abgeschlossen
hatten, sehen wir mit Interesse entgegen ... Nach den Aufregungen gönnten
wir uns ein Abendessen in exquisitem Ambiente, dem Restaurant "Parkhaus
Baldeney". (73km)
Freitag, 14.05.1999
Nach gutem Schlaf (die Betten war mit Sicherheit nicht durchgelegen, Alex),
Packen unserer Siebensachen und gutem Frühstück
(Detlev, Bernhard). Kleiner köstlicher Dialog
zwischen Alex, unserem Senior mit seinen 73 Jahren und einer (fast) unverwüstlichen
ungarisch-rumänischen Gemütsruhe, und einigen Kindern beim Frühstück:
"Na, schmeckt's?". Kopfnicken. "Habt's Euch hungrig g'schlafen?" Verständnislose
Blicke zurück. - Beladen der Fahrräder,
noch ein kleines Kartenstudium (Birgit) und weiter
ging's an der Ruhr entlang, auf idyllischen Leinpfaden, nach Mülheim
heinein. Unserer erster ungeplanter Halt durch eine kleine Panne: eine
gebrochene Speiche (Ute). Unserer erster geplanter
Halt durch eine Museumsbesichtigung: das Wassermuseum Aquarius. Faszinierende
Ausblicke
auf die Attraktionen im Ruhrtal: ein ALDI-Auslieferungslager. (Doris).
Nach kurzer Fahrt durch den größten
Binnenhafen
der Erde (Duisburg-Ruhrort) und unser zweiter geplanter Halt an den Museumsschiffen
(Schaufelraddampfer,
Ketteneimerbagger).
Bernhard und Jürgen legen
Hand an. Einige Innenansichten:
Kurbelwelle im Maschinenraum,
eine Werkzeugwand und sanitäre
Einrichtungen. Während Utes Hinterrad eine neue Speiche verpaßt
bekam, haben die anderen Radler noch das sehenswerte Binnenschifffahrtsmuseum
besichtigt. Architektonisch interessant in einem ehemaligen
Schwimmbad untergebracht, bieten sich uns hier Ansichten auf Lastensegler
von oben und unten. Bei unserer
Weiterfahrt regnete es leicht (Alexander), Jürgens
Reifenpanne wurde zügig behoben und kurz vor Wesel wurde die Frage
nach dem Namen des Bürgermeisters beantwortet (links: Harald).
Wir waren alle froh, nach dem langen Tag im Hotel "Zur Aue" in Wesel einzutreffen.
Abendessen im Hotel (Hans mit Edelgemüse, Alex
wieder fröhlich nach seinen zwei heutigen Stürzen, Volker
- mal auf der anderen Kameraseite, Birgit, das Schleckermäulchen,
Peter
peim Pier und Detlev). Um Mitternacht haben sich die
ersten in die Betten zurückgezogen, die letzten erst gegen 4 Uhr.
(81km)
Samstag, 15.05.1999
Start in einen überwiegend sonnigen, aber kühlen Tag. Einige
Zeit dauerte es, bis Alex die optimale Sattelhöhe fand. Niedrig
genug, damit er bequem fahren konnte, hoch genug,
damit sein Gepäck, ein kleiner blauer Rucksack, drunter passte. Eine
kurze Stadtbesichtigung und auf (auto-)verkehrsschwachen Straßen
radelten wir entlang der Lippe und des Wesel-Datteln-Kanals. Keine weitere
Kultur heute, nur Natur pur. Kleine Mittagsrast in Dorsten. In Marl-Hüls
ließ uns erstmals das ansonsten gute Kartenringbuch "RuhrTour" (beim
Kauf auf Erscheinungsjahr 1998 achten) massiv im Stich und zwang uns zu
einigen ungeplanten Umwegen. Leider musste in Marl-Hamm der Chronist die
Gruppe verlassen, da er am Folgetag an der US-Westküste erwartet wurde.
Doris übernahm die Führung zum Tagesziel in Datteln. Eintreffen
im Radlerhotel dort gegen 19:00 Uhr.
Sonntag, 16.05.1999
Fahrt von Datteln nach Lünen. Rückfahrt mit der Deutschen Bahn
via Dortmund und Köln. (Detaillierte Beschreibung wird nachgetragen.)
Vorjahrestouren: Emsland 1997 und Saar-Mosel 1998
ADFC Bad Homburg