Tagebuch der Libyen-Reise
2.10.1998 - 23.10.1998

U-Bahn-Fahrt
2.10.1998
8:37 - 8:59
Letztes Packen. Alles in den blauen Riesensack. Gut, dass er daheim so schlecht zu wiegen ist. Habe daher kein schlechtes Gewissen wegen der (für mich illusorischen) Beschränkung auf 12kg.
 

Erste Kontakte am Flughafen
2.10.1998
10:45 - 11:45
Ansprechen von Jürgen (Bad Soden) am Check-In-Schalter, unkompliziertes Gepäckeinchecken (21,6kg), dann Café-Kännchen mit ihm und Heiko, Heike, Conny und Jürgen (Ludwigshafen). Alle sind Nah-Ost-erfahren, haben teilweise drei Jahre zuvor mit Daltus-Reisen eine Syrien-Jordanien-Tour unternommen.
 

Flug FFM-Tunis
2.10.1998
12:50 - 15:00
TU745. 13:38: Lift-off über die Startbahn Süd. 15:58 Landung in Tunis. Zurückstellen der Uhren um eine Stunde. 23 Grad Celsius Außentemperatur.
 

Stop&Go zwischen Hafen und Tunis
2.10.1998
16:00 - 17:15
Passkontrolle. Durchleuchten unseres Handgepäcks bei der Einreise(!). Langes Warten auf unser restliches Gepäck. Dafür Durchwinken am Zoll. Empfang durch Hubert. Erstes Verstauen unserer (noch dicken) Rucksäcke im Bus. Langsames Rausquälen über eine Zubringerstrasse.
 

Autobahn in Tunis
2.10.1998
17:15 - 18:15
Stauursache: Gaffer auf unserer Seite wegen eines größeren Unfalls auf der Gegenfahrbahn mit Vollsperrung. Danach geht's zügig weiter. Vorbei an Steinbrüchen, die wie Narben in der Landschaft wirken, und Olivenhainen. Der Dieselabgasgestank wird durch einen Duft nach  Kräutern der Provence verdrängt. In den Strassengräben noch größere Pfützen nach ergiebigen Niederschlägen in der Vornacht. Hauswandbeschriftungen (ebenso wie Werbung) ist in arabisch und französisch abgefaßt. Verlassen der Autobahn Richtung Nabeul. Fahrt in die Dämmerung hinein.
 

Eintreffen in Jugendherberge in Nabeul
2.10.1998
19:00 - 20:00
Einparken des Busses in JH-Innenhof. Aufschlagen der Zelte und Aufstellen von Tischen und Bänken bei Dunkelheit im Taschenlampenfunzellicht. Hubert gibt von sich aus kaum Anweisungen, ich erfrage von ihm mehrmals, wie wir ihm zur Hand gehen können. Ich bleibe der einzige, der im Schlafsaal vor dem Sanitärbereich zu nächtigen gedenkt; alle anderen ziehen das Dachzelt vor.
 

Abendessen in Nabeul
2.10.1998
20:00 - 22:30
Spaziergang an der Uferpromenade vorbei zum nächstbesten Restaurant. Speisen werden bereits von der (noch nicht entrichteten) Verpflegungseinlage bestritten, während die Getränke privat bezahlt werden. Nehme einen Salat Nizza und eine Portion Spaghetti Bolognese. Zu viel und zu spät für den ersten Tag. Munteres gegenseitiges Probierenlassen. Alle Speisen sind pikant-scharf zubereitet. Zurück am Strand entlang der nächtlichen Brandungslinie.
 

Mein Luftkissen hat ein Leck
3.10.1998
4:00 - 4:15
Morgendlicher Reparaturversuch mit Fahrradflicken war zum Scheitern verurteilt. Für den Rest der Reise muss das große Handtuch als Kissenersatz herhalten.
 

Frühstück im Freien in Nabeul
3.10.1998
7:00 - 8:00
 

Abfahrt in die Hitze hinein
3.10.1998
8:00 - 8:30
 

Pinkelpause
3.10.1998
9:00 - 9:15
Lasse mich verleiten, eine Kaktusfrucht zu probieren. Ich hätte es mal lieber bleiben lassen ... die feinen Stacheln setzen sich - trotz aller Vorsicht - an den Fingern, der Lippe und im Gaumen fest. Glücklicherweise verschwinden diese Mini-Kratzbürsten im Laufe des Nachmittags.
 

Weiterfahrt nach Kairouan
3.10.1998
9:15 - 10:30
 

Stadtbummel in Kairouan
3.10.1998
10:40 - 14:25
Erster Halt am Touristeninformationsbüro am Nordrand der Stadt, mit einem Stadtplan auf Kacheln. Besichtigung der Aghlabidenbassins (hier mit Heiko), deren Bedeutung (Trinkwasserbecken aus dem 9.Jhdt.) wir erst danach erlasen. Ab 11:00 Durchwanderung auf eigene Faust (Hausfassade, Gassenimpression). Große Moschee (Sidi Oqba-Moschee), für den bedeutendsten islamischen Bau Tunesiens und älteste Moschee des Maghreb (außer von Touris) überraschend wenig besucht. Weiter durch die verwinkelten Gässchen der Medina (Altstadt), an Schuhmachermanufakturen und Handwebern vorbei. Erfreulich wenig aufdringliche Verkäufer. Durch das Märtyrertor (Bab ech Chouhada) hindurch und wieder zurück zum Bir Barouta, einem kamelbetriebenen Schöpfkaraffenbrunnen. Recht pittoresk. Weiter auf der Suche nach der (letztlich geschlossenen) Mosque des Trois Portes (Djama Tleta Bibane) auf weitere sieben aus unserer Gruppe gestoßen. Mit ihnen an der Stadtmauer entlang wieder zum Märtyrertor. Von dort aus erfolgreich zur Zaouia de Sidi Abid el Ghariani, einem Grabbau aus dem 16. Jhdt. Kühl, ruhig, einschläfernd. Weitere Moscheen leider geschlossen, Stadttore dafür geöffnet. Ein Tee mit einigen weiteren aus unserer Gruppe knapp außerhalb der Stadtmauer. Warten auf der Stadtmauer (Volker) und am Bus zur vereinbarten Zeit (14:30) auf Hubert, der kurz danach mit Lebensmitteleinkäufen eintrifft.
 

Weiterfahrt
3.10.1998
14:45 - 17:30
Nach Gabes durch die zentraltunesische Steppe, mit ausgedehnten Olivenhainen. Habe ca. 10km vor dem Ort einige Passagen aus Huberts Reiseführer Tunesien vorgelesen. Scheint gut angekommen zu sein.
 

Jugendherberge in Gabes
3.10.1998
17:45 - 18:15
JH macht einen freundlicheren Eindruck als die vom Vortag. Gönne mir wieder ein Zimmer für mich, diesmal mit 2DT extra.
 

Abendessen in Gabes
3.10.1998
18:30 - 21:30
Gemeinsamer Gang in die Stadt zu einer Eckgaststätte. Kouskous ist allgemein angesagt. Ich bleibe bei einer Suppe. Heimweg.
 

Ausklang in Gabes
3.10.1998
21:30 - 23:45
Vor unserem Bus mit meiner im Duty Free-Shop erstandenen Flasche Whiskey für alle.
 

Morgenterror in Gabes
4.10.1998
4:35 - 5:10
Aus allen Minarett-Lautsprechern wird die Größe Allahs berufen ... bei der Lautstärke steht man fast sofort senkrecht im Bett.
 

Abfahrt von der JH in Gabes
4.10.1998
8:05 - 8:35
Nach einem gewohnt guten Frühstück und einer kleinen Einweisung in die Möglichkeiten meines HP-Palmtops für Renate.
 

Fahrt in Richtung Grenze
4.10.1998
9:15 - 9:45
Geldwechsler wedeln mit ihren Dinarbündeln am Strassenrand
 

Stadtbummel in Medenine
4.10.1998
9:40 - 11:00
Malerisches Städtchen mit restauriertem Ensemble von traditionellen Lehmbauten (Ghorfa) mit schmalen, kaum gesicherten Außenstiegen (Bild 1, Bild 2, Bild 3), jetzt genutzt von aufdringlichen Ramschhändlern. Netter Wochenmarkt mit einem Lebensmittelteil (Zwiebeln, Datteln, Feigen, Tomaten, Paradiesäpfeln, Kartoffeln, Paprikaschoten, u.a.) und einem Bekleidungsteil.
 

Geldtausch
4.10.1998
12:35 - 12:50
Beim 2. Halt mit Sondierungsgesprächen mit Geldtauschern beginnt Hubert, ernsthaft zu verhandeln. Da der größte libysche Geldschein einen Nominalwert von 10 Dinar hat, zog sich das Geldzählen etwas hin. Sein Tauschkurs: 1US$ = 3.05 Libysche Dinar (DL).
 

1. Kontrolle
4.10.1998
13:11 - 13:12
Die Müdigkeit durch die anstrengende Fahrt übermannt manche. Wir nähern uns der tunesisch-libyschen Grenze. Nur Hubert muss (als Fahrer) seinen Pass zeigen.
 

2. Kontrolle
4.10.1998
13:25 - 13:26
Nur eine kleine gesprächsartige Befragung von Hubert durch 2 Polizisten, ohne Passkontrolle.
 

3. Kontrollstelle
4.10.1998
13:30 - 13:31
Durch Nationalgarde, nur noch durchgewunken.
 

4. Kontrolle (noch 1km)
4.10.1998
13:34 - 13:36
Zum ersten Mal musste Hubert unser Passblöckchen einem Zöllner vorzeigen.
 

5. Kontrolle
4.10.1998
13:38 - 14:10
Mit Einzelpasskontrolle am Wachhäuschen mit Ausreisestempel und Blick in die Gepäckluken.
 

6.Kontrolle
4.10.1998
14:14 - 14:16
Am Schlagbaum erneute Einzelpass-Kontrolle im Bus. Grenzübertritt!
 

Ausfüllen von Einreisescheinen
4.10.1998
14:25 - 14:35
 

Warten
4.10.1998
14:45 - 15:15
Hubert erledigt die Einreiseformalitäten. Langsam ruckeln wir auf die Zollkontrolle zu.
 

Zollkontrolle!
4.10.1998
15:15 - 16:00
Unser Bus wird in die große Halle neben der Zollsperre zur Inspektion gewunken. Zunächst glauben wir noch an eine formlose Kontrolle ... bis wir aufgefordert werden, mit unserem Handgepäck den Bus zu verlassen, unsere Koffer zu nehmen und uns zur Gepäckuntersuchung vor einem Schreibtisch aufzureihen. Kein Problem, wäre da nicht die Flasche "Bell's Scotch", die von uns  gestern abend zur Hälfte geleert worden war. Ich versuche, als viertletzter in die Reihe zu kommen. Bernward schlägt nach der Kontrolle seines Gepäcks vor, mit ihm gemeinsam wieder zum Bus zurückzugehen. Aber ich bin für Fairness, sogar Zöllnern gegenüber. Überraschende Coolness, als ich meinen großen blauen Sack öffnen soll. Mein Vertrauen in die Ermüdung des Zöllners bewahrheitet sich. Er tastet eher oberflächlich meinen Wäschesack mit seinem harten Inhalt ab. Ein Wink mit der Hand, und ich kann meinen Gepäcksack wieder schließen. Unter den im "Göttler" (Gerhard Göttler, Libyen, Reise Know-How Verlag Därr GmbH, ein Reisehandbuch, das uns gute Dienste geleistet hat und uneingeschränkt empfohlen werden kann, beim Kauf auf 2. Auflage 1998 achten!) beschriebenen "oberflächlichen Kontrollen" habe ich mir auf jeden Fall etwas anderes vorgestellt. Das Interesse der Zöllner scheint eher auf Druckwerke als auf Spirituosen eingestimmt zu sein. - Hubert montiert noch die libyschen Kennzeichen - und wir sind wieder auf der Strasse.
 

Erste Eindrücke aus Libyen
4.10.1998
16:00 - 17:00
Sooo gut ist die Strassenbeschaffenheit auch wieder nicht. Es ruckelt - wie zuvor in Tunesien - ganz schön durch unseren Bus. - Anscheinend mehr Privat-PKW als in Tunesien. Propere Retortenstädte. Ansonsten Dreck (insbesondere Plastiktüten und Autoreifen) wie überall in Nordafrika. - Vereinzelte Kamelherden im Pferch. - Wie die dominierende Farbkombination in Tunesien blau-weiß war, so überwiegt grün im Strassenbild in Libyen.
 

... und noch eine Kontrolle
4.10.1998
16:01 - 16:05
Der Passblock wird auf Visa hin angeschaut.
 

Kleine Pinkelpause mit Äpfeln und Weintrauben
4.10.1998
17:00 - 17:10
 

Kleine Kontrollszene
4.10.1998
17:25 - 17:26
Kleine Strassenkontrolle mit folgendem Dialog zwischen Polizist und Hubert: "How is your health?" "Good" "Where are you from?" "Germany" "Heil Hitler!" Vernehmbares Murren und Aufstöhnen bei uns im Bus.
 

JH in Sabrata
4.10.1998
18:00 - 22:00
Ich entschließe mich, erneut in der JH zu nächtigen. Ohne Aufpreis mit genügend Platz zum Ausbreiten meiner Siebensachen und direkt neben dem Sanitärbereich - ich verstehe immer noch nicht, weshalb nicht mehr Mitreisende dieses Angebot wahrnehmen. Gemeinsame Zubereitung der Ratatouille mit Kohlrabi-Würfeln, Auberginen-Stücken und Tomaten-Vierteln. Während das Essen köchelt, tauschen Conni und ich mit den (und für die) anderen Mitreisenden Dollar in Dinar um. Christoph will nur noch die Hälfte umtauschen, Bernward hat nur Reisechecks und Henning hat nur DM. Trotzdem funktioniert die Umrechnerei ohne Fehlbetrag. - Ich verzichte aufs Abendessen.
 

Leichte Pein durch Mücken in Sabrata
5.10.1998
4:00 - 4:20
Hatte mich nicht mit Citronella eingeschmiert. Das rächt sich jetzt. Verkriechen unter die Bettdecke hilft.
 

Duschen und Frühstück in Sabrata
5.10.1998
6:00 - 8:30
Müsli, Gemüsebrühe und Kaffee
 

Ausgrabungsgelände in Sabrata
5.10.1998
8:30 - 10:30
Herausragende antike römische Ausgrabungsfunde. Sehenswerte Theaterruine (von außen und von innen und als Kulisse für ein obligates Gruppenfoto). Römische Tempelreste, Säulenreihen, Bäder und Toiletten. Malerisch direkt am Meer gelegen. Henning vervollständigt schamhaft einen Torso.
 

Strand & Meer bei Sabrata
5.10.1998
11:00 - 13:15
Kleine Fahrt zurück zu einem guten sauberen Sandstrand. Giovanni und Sabine lustwandeln. Herrlich, im lauwarmen Wasser des Mittelmeers zu schwimmen. Meine Solardusche findet Anerkennung. Kleines improvisiertes Mittagessen mit Obst.
 

Tripolis
5.10.1998
14:45 - 18:00
Ich sitze jetzt (17:45) am Grünen Platz, auf dessen Asphaltplatten noch Spuren grüner Farbe zu ahnen ist. Qhaddafi in jedem Geschäft in klein und über manchem Geschäft in groß. Zum Abend hin belebt sich die Stadt deutlich, der Verkehr schwillt an, das Gehupe nimmt zu. Gegen 16:00, 16:30 öffnen viele Geschäftsinhaber ihre Rolltore vor ihren Geschäften zum zweiten Mal am Tag; ihre Läden bleiben dann bis gegen 21:00 geöffnet. - In der Altstadt mit ihren malerisch-verdreckten Gässchen hatten nur einige Stoffgeschäfte geöffnet. Triumphbogen des Marc Aurel. 17:52: der Grüne Platz wird taghell erleuchtet. Der Ruf des Muezzin hat keine erkennbaren Folgen für das Gewusel um den Platz herum. - Ich finde eine Buchhandlung, finde Qhaddafis "Green Book", ein Preis von drei Dinar wird mir zunächst genannt - und dann wird mir das Buch geschenkt. Ähnlich im Nationalmuseum: gegen 14:45 ist es verschlossen. Gegen 17:00 ist es dagegen nicht nur geöffnet, sondern der Eintritt (sonst 3 Dinar) ist frei. Eine sehenswerte Sammlung, angefangen von prähistorischen Funden über die Zeit der Phönizier und Römer (mit schönen Originalmosaiken) bis zu einem Überblick über die Kulturen im heutigen Libyen. Es ist zwar - im Gegensatz zu den Angaben im Göttler - nicht nach den neuesten multimedialen Errungenschaften eingerichtet, aber zumindest sind die Exponate effektvoll ins Licht gesetzt.
 

Bücherkauf in Tripolis
5.10.1998
18:15 - 18:35
Grünes Buch, Postkarten, Buch über Libyen.
 

Café in Tripolis
5.10.1998
18:45 - 19:05
3 Mini-Cola (a 200ml) inhaliert.
 

Abendessen in Tripolis
5.10.1998
19:30 - 21:30
Gutes Essen mit Wasser, Softdrink, Suppe, Salat, Reis, Pommes und div. Fleischstücke, Tee (alle Speisen ohne mich).
 

Telefonat mit Doris
5.10.1998
21:40 - 21:55
Zettel ausfüllen (mit Zielnummer, aber auch mit Passnummer). Nummer wird angewählt, bei Verbindung wird auf Telefonzelle umgeschaltet. Erste drei Minuten für 6 Dinar.
 

JH in Tripolis
5.10.1998
22:15 - 23:00
Ca. 4 km von Stadtzentrum entfernt. Ich übernachte wieder im Zimmer (10 Betten, von denen einige unbenutzbar sind; 12 Neonlampen-Halterungen, in denen eine letzte intakte Leuchtstoffröhre brennt).
 

Morgenverrichtungen in Tripolis
6.10.1998
5:30 - 8:30
Nach gutem ruhigen (ohne Dauer-Dieselmotorgeräusch für mich) Schlaf in der JH (nicht auf dem Bus) Duschen, Müsli-Frühstück und Abfahrt. Trotz meiner allmorgendlichen Nachfrage will keineR auf den optimalen Bus-Platz (den Beifahrersitz, mit Platz für die Beine und idealer Aussicht). Mir soll's recht sein.
 

Stadtbummel in Tripolis
6.10.1998
8:45 - 15:00
Hubert setzt uns wieder am Grünen Platz ab, der heute mit PKW vollgestellt ist. Ein großer Teil unserer Gruppe geht erstmal zum Hauptpostamt. Es gibt eine überraschend große Auswahl an Sondermarkenblöcken, allerdings mit zum Teil deftigen Aufschlägen (z.B. nominal 1DL, real 3DL). Dank der mit "Dachzeltexpedition" vorgestempelten Postkarten habe ich meine 17 Karten bis 11:15 auf die Reise gebracht. Als ich in der Schalterhalle aufbrechen möchte, werde ich noch mal an der Verkaufstresen für Sondermarken herangebeten, um mir einen weiteren Block zu schenken. - Bummel durch die Neustadt und die Altstadt, die jetzt deutlich belebter als gestern wirken. Treffe im ehemaligen Wohnhaus des Yussuf Karamanli wieder auf die Gruppe, verliere sie allerdings leider kurz danach, als ich mir noch 2 Flaschen Cola reinziehe. Mini-Verkaufsangebote, auf dem Bürgersteig feilgeboten (Bild 1, Bild 2). Vorbei am Kleinbus- und Taxibahnhof nach Tunis oder Djerba lasse ich mich an der Omar al Mukhtar Street in ein Strassencafé locken. Vor dem Café brandet der Autoverkehr. - Frauen, überwiegend mit Kopftuch, ziehen vorbei. Junge Männer und selten auch Frauen sind westlich gekleidet. Alte Männer sind dagegen eher traditionell gekleidet (wie ja auch in Deutschland) und tragen häufig noch ein weißes Baumwollkäppchen.
 

Fahrt nach Leptis Magna
6.10.1998
15:15 - 17:30
Mit Zwischenstop an einem Honig- und Nuss-Verkaufsstand
 

Jugendherberge in Khoms
6.10.1998
17:45 - 20:00
Unser Bus parkt neben der Jugendherberge. Ich bleibe wieder der Einzige, der in der JH übernachtet - ohne Aufpreis. Gemeinsame Zubereitung des Abendessens: Kartoffeln, Zaziki und Salat, für alle außer mir. Ich ziehe mich um 20:00 bereits zurück. Gegen 01:00 Aufwecken durch dauerkläffende Hunde und Zeitungsgeraschel aus dem Nebenraum. Mein Räumchen hat übrigens noch eine zweite Tür zu einer Veranda hin, deren Fenster fehlt und somit unkompliziert von aussen entriegelt und geöffnet werden kann. Ich entschließe mich, die Tür gleich geöffnet zu lassen und sie gar nicht erst ins Schloss fallen zu lassen.
 

Duschen in versifften Duschen in Khoms
7.10.1998
6:30 - 7:00
 

Frühstück in Khoms
7.10.1998
7:00 - 8:30
 

Leptis Magna
7.10.1998
9:30 - 13:30
Beeindruckende Ansammlung restaurierter römischer Ruinen. Wir besuchen zunächst das Museum, kommen dann in einer kleinen Verschnaufpause mit einem Libyer (Farag, hat in Schwerin Maschinenbau studiert) ins Gespräch. Er bietet uns unverbindlich seine Führung an, wir lassen uns willig von ihm führen. Im Theater führe ich den Erlkönig auf. Henning macht davon eine Videoaufnahme und wird von unserem Guide darauf hingewiesen, dass Videoaufnahmen innerhalb des Ruinengeländes nicht erlaubt seien. Erst Farag macht uns auch darauf aufmerksam (nach einem Protest von Hanne, dass das Museum trotz der Auskunft, bis 12:00 geöffnet zu sein, bereits um 11:00 geschlossen war), dass in Libyen die MESZ wieder gilt. Setze die Systemuhr des HP 200LX entsprechend vor. Beeindruckende Persönlichkeiten in Stein und neben Stein. Triumphbogen des Septimius Severus. Antiker Marktplatz. Am Ausgang treffen wir uns wieder in der Bar, als ein Polizist in Zivil an Susan und Henning herantritt und ihre Videoaufnahmen sehen möchte. Auf einer Aufnahme ist eine Öl-Verladeanlage zu sehen. Seine erste Reaktion: Beschlagnahme der Videocassette. Nach einer kleinen Diskussion lässt er sich erweichen, den inkriminierten Teil überspielen zu lassen.
 

Amphitheater in Leptis Magna
7.10.1998
13:45 - 14:15
Beeindruckend in einer natürlichen Bodensenke gelegen. In einem überraschend guten (oder gut restaurierten) Zustand. Absolutes Photographierverbot wegen eines in ca. 3km Entfernung liegenden Ölverladestegs.
 

Fahrt in die Wüste
7.10.1998
14:30 - 18:00
Zurück nach Khoms und dann ab Richtung Südwesten durch Al Qusbat und Tarhunah.
 

Erste Außenübernachtung
7.10.1998
18:00 - 21:00
Und damit auch meine erste Zeltdachübernachtung. Giovanni ist heute abend der verantwortliche Küchenchef: Kartoffelsalat, Frischer Salat und ein Reis-Gemüseeintopf. Kleine Aufregung, als wir die ersten drei Skorpione zwischen Bus und Bänken hindurchlaufen sehen. Der Wind weht stark, aber nicht mehr so heiß wie in den Vortagen.
 

Frühstück
8.10.1998
6:30 - 8:30
Die Sonne kommt langsam unter einer aufgelockerten Wolkendecke empor. Erste echte Bewährung meiner Mobildusche. Bernward und Ulla folgen. und Start in den Tag...
 

Wüstenfahrt
8.10.1998
8:30 - 18:45
Durch Ban Walid (Göttler hat recht: hässlich) und Gariyat. In Shwayrif Lebensmittel fassen. Die Landschaft wird öder, die Vegetation spärlicher. Teilweise durchfahren wir Ebenen (Höhenmesser:425m), teilweise sind die Spuren der Erosion zu sehen. Beeindruckend (und angesichts der Trockenheit überdimensioniert erscheinend): die Wasserdurchlässe unter der (gut ausgebauten) Strasse. Weiter Richtung Brak. - Mein HP200-Palmtop hat sich als äußerst nützliches Werkzeug bewiesen, sei es als Sammlung deutscher Volksliedtexte, als Buchersatz mit Karl Mays „Durch die Wüste“, als Währungsumrechner oder als Tagebuch, auf dessen Einträgen diese Datei hier basiert.
 

Nachtlager
8.10.1998
19:00 - 21:30
Ca 250 m abseits der Strasse nach Brak. Schönes Plätzchen; milder, lauer Wind.
 

Morgenverrichtungen 65km nördlich Brak
9.10.1998
6:30 - 8:20
Nach schöner, lauer Nacht im offenen Zelt (erstmals ohne Mücken, Fliegen, kläffende Hunde, Dieselmotoren) Morgentoilette. Meine Solardusche wird immer populärer und hat heute bereits 5 Nutzer gesehen.
 

Fahrt nach Sebha
9.10.1998
8:30 - 11:00
Sandschleier wehen über die Straße. Zwischenstop an erster richtiger Sanddünenregion.
 

Warten auf Hubert in Sebha
9.10.1998
11:00 - 13:15
Hubert setzt uns in Sebha an einer (für den heutigen Feiertag) stärker befahrenen Kreuzung ab. Er will uns kurzfristig einen Zwischenbescheid über die Dauer seiner Genehmigungsbeschaffung geben. Wir sollen in einem Café auf ihn warten, während er mit Agenturen unsere weitere Reise im Detail plant. Während der zunemend länger werdenden Wartezeit beschließe ich, noch eine Postkarte (an Gisela) und noch einige Postkarten von Sabine zur Post zu bringen. Dieses Unterfangen gestaltete sich dann doch etwas schwieriger. Zunächst wurde mir zu Verstehen gegeben, dass die Post ca. 1.5km entfernt ist. Ein ägyptischer Gastarbeiter (Chalef, Anstreicher) begleitet mich schließlich. Erst einige 100m zu Fuss, dann winkt er ein Taxi herbei, um die letzten 500m damit zurückzulegen. Er bezahlt auch den Taxifahrer (1DL). Das Postamt hat geöffnet, aber offensichtlich nicht der Schalter für Auslandspostkarten. Wir gehen wieder 500m zurück, zu einer Telefon- und Fax-Bude. Dort kann ich die Postkarten in einer Tüte zurücklassen, auf der ich meine Personaldaten (inkl. Passnummer) schreibe. Nach der Rückkehr zum Café stellen wir fest, das Hubert immer noch nichts von sich hat hören lassen. Letzlich machen wir uns (selbstverständlich) unbegründete Sorgen. Ansonsten: immer cool bleiben. - Bettler in Sebha.
 

Auf der Sanddüne bei Ubari
9.10.1998
17:45 - 19:00
Ich sitze (nach einem Aufstieg an Heiko und Cie. vorbei) auf dem Kamm einer riesigen, ca. 100m hohen Düne am Südrand des Idhan Ubari. Staubfeiner Sand weht beständig an mir vorbei, bildet immer neue Riffellinien im Kleinen und diese Riesendünen im Großen. Die Abendsonne am Horizont lässt den Sand noch wärmer, noch ockerfarbener erscheinen. Im Norden erstreckt sich ein endlos scheinendes Sandgebirge. Die Sonne nähert sich dem Tafelgebirge am Südrand des Wadi. Der feine Sand setzt sich überall fest; hoffentlich nicht als Schmirgelschicht in meinem Fotoapparat.
 

Umpacken für eine Nacht
10.10.1998
8:00 - 8:30
Vorbereitung für unsere Fahrt im Landrover. Heute und morgen vormittag bleibt unser Dachzeltbus-Motor kalt, wir fahren mit 4-Wheel-Drives ins Sandmeer.
 

Wüstenfahrt
10.10.1998
9:00 - 11:00
Mit kleinen Anlaufschwierigkeiten (und großem Anlauf) durch die Sanddünen zum Mafu-See mit kurzem Fotostop, dann weiter zum Gabaron-See (mit Gruppen-Foto-Stop).
 

Dünenblick über Gabaron-See
10.10.1998
12:00 - 12:30
Ich sitze jetzt auf einer Dünenspitze ca.100m oberhalb des Sees. Soweit der Blick reicht, von Ost über Nord bis zum Westen sind bis zum fernen Horizont nur endlos scheinende Dünenkämme zu sehen. Blauer wolkenloser Himmel, angenehme warme Temperaturen und ein leichter, aber nicht unangenehmer Wind. Tief unter mir jenseits des Gabaron-Sees von links nach rechts die verlassenen und überwiegend dachlosen Häuser der Dorfbevölkerung, die 1990 zwangsweise ins Wadi Adjal umgesiedelt wurde, nahe am See einige Hütten aus Palmwedeln, in deren Nähe auch unsere Landrover stehen und dahinter und rechts davon Spuren von Feldumfriedungen.
 

Siesta am Gabaron-See
10.10.1998
13:00 - 16:15
Mittagessen (Salat und Apfelsaft). Cola für mich. Siesta (hier mit Christoph). Ich lese die nächsten Seiten aus Karl Mays "Durch die Wüste" vor. Eine deutsch-schweizerische Gruppe (3 Landrover) trifft ein. Sie baden im stark salzhaltigen laugigen, nach Schwefelwasserstoff müffelnden See, mit unvermeidbarer Dusche. Ich wäre gerne mit geschwommen, habe mir das aber angesichts unser begrenzten Wasservorräte verkniffen. Eine aus der Gruppe trinkt mir ein kaltes Hefeweizenbier vor - unverschämt! Gemächlicher Aufbruch.
 

Start in die Abendfahrt
10.10.1998
16:30 - 19:00
Mit einigen technischen Problemen: Bei Landrover 1 lässt sich die Hecktür nicht schließen, nach ca 3 km springt Landrover 2 nicht mehr an und lässt sich erst durch Überbrückungskabel und Starthilfe zum Zünden bringen, (latent) bei Landrover 3 wird die Motorhaube mit einer Schnur und einem Draht am Hochklappen während der Fahrt gehindert. Wir fahren weiter zum (fast ausgetrockneten) Mandara-See und zum Ziel des heutigen Tages: Um-el-Ma-See.
 

Abendessen im Idhan Ubari
10.10.1998
19:30 - 21:30
Abendmeeting unserer Fahrer. Abendessen bei dem Schein der Taschenlampen.
 

Morgenimpressionen
11.10.1998
5:45 - 7:15
Meine erste Nacht in der Weite der Sand-Sahara. Einige Mücken, die den Weg vom unter uns liegenden Um-el-Ma-See heraufgefunden haben, ließen mich aufwachen und mich Arme und Gesicht mit Citronella-Öl einschmieren. Die Luft ist trocken, die Schleimhaute in Mund und Hals kratzen. Gut, dass ich meine Wasserflaschen am "Bett" stehen habe. Unsere 4 Landrover und der Versorgungs-Pick-up-Truck wirken im Lichte des Halbmondes wie gestrandete Wale auf der weiten Fläche des Sandhangs, auf dem wir unser Nachtlager aufgeschlagen haben. Das Sternbild des Orion ist hoch über uns gut auszumachen, das vertraute des Großen Wagens am Nordhimmel dagegen  überraschenderweise gar nicht. Langsam hellt sich der Himmel am östlichen Horizont auf. Um 06:30 ist ein zartes Orange zu sehen. Erste Farben sind auszumachen. - Unsere Fahrer vertreiben die Nachtkälte.
 

Vormittagsfahrt mit Problemen
11.10.1998
8:15 - 12:00
Kurze Fahrt zum Fotostop an den Um-el-Ma-See. Idealtypische Saharaimpressionen. Unser Landrover zeigt sich beim Anfahren bockig, das Differentialgetriebe blockiert. Nach einigen vergeblichen Reparaturbemühungen wird die Kardanwelle ausgebaut, wir versuchen, nur mit der angetriebenen Vorderachse (mit ihren profillosen Reifen) nach Hause zu fahren. Der Boss der Truppe übernimmt den Fahrerposten und fährt anfangs genial. Schwung im Kessel nehmen, Gegenkurve und über den nächsten Dünensattel. Je höher wir allerdings steigen, umso häufiger fressen sich die Vorderreifen fest. Aussteigen, mitfreischaufeln, ggf. anschieben, einsteigen, erneuter Anfahrversuch. Wir steigen schließlich aus, um den Landrover zu erleichtern. Ca. 1 Stunde sehen wir den Bemühungen der einheimischen Crew unter uns bei dem Versuch zu, den Landrover geländegängiger zu machen. Wir vertreiben uns die Zeit mit Gedankenspielen, wie lange wir in der Wüste ohne Wasser überleben könnten (Bernward, Susan). Ein weiteres Spielchen ist ein Reifenwettlauf: Jürgen und ich suchen alte Reifen, wuchten sie zu einer Dünenspitze hoch und lassen sie von dort aus den Dünenhang hinabrollen. (Mein Reifen gewinnt.) Endlich resignieren unsere Fahrer, der Problem-Landrover bleibt - nach Ausbau der Batterie als Diebstahlsschutz  - in der Wüste zurück, unser Gepäck wird umgeladen und wir werden auf den einen verbliebenen Landrover und den Pick-Up-Truck aufgeteilt.
 

Camp in  Ubari
11.10.1998
12:15 - 14:30
Herrlich, die Dusche nach einem Tag in der Wüste! Leider habe einige aus unserer Gruppe, die schon eine Stunde vor uns am Camp eintrafen, in der "Sahara Dream" gegen 11:30 noch eine kleine Portion Maccaroni bestellt, die als 3-Gänge-Menü gegen 14:00 aufgetischt wird.
 

Weiterfahrt
11.10.1998
14:40 - 16:10
 

Eintreffen im ALFAW Camp in Al Awaynat
11.10.1998
19:00 - 20:00
Ich lasse mir eine der kleinen Hütten neben unserem Busparkplatz zeigen: funktionell, der Boden mit einer Matte belegt, darauf Matratzen, die Zimmer- und gleichzeitig Hausdecke strohgedeckt. Der Zimmerpreis für eine Nacht beträgt 10 DL, wegen der 5 DL, die Hubert bereits für jeden von uns bezahlt hat, verbleibt ein Aufpreis von 5 DL, also ca. DM 2.80. Selbstverständlich entschließe ich mich für's Zimmer, zumal wir die kommende Nacht ebenfalls auf diesem Platz verbringen werden. Abendessen für mich: 4 Tassen Eintopf-Gemüsebrühe.
 

Morgenverrichtungen in Al Awaynat
12.10.1998
7:30 - 9:00
Habe nach gutem Schlaf in der Hütte geduscht und mit den anderen mein Müsli gefrühstückt. Fast geschlossene Wolkendecke lässt die Temperaturen heute so frisch sein, dass ich erstmals die orangefarbene Jacke überziehe.
 

Fahrt nach Ghat
12.10.1998
9:00 - 11:30
Vorbei am Idinen-Massiv (aus weiter Ferne und aus naher Ferne). Jürgen bei einer konzentrierten Aufnahme. Geballte Manpower macht sich über Ullas defekte Kamera her und sammelt sich nach erfolgreicher Reparatur.
 

Stadtbummel in Ghat
12.10.1998
11:30 - 15:00
Kleines südlibysches Provinznest. Markplatz mit zwei Ständen, einer zunehmend verfallenden Altstadt mit verwinkelten Gäßchen, einem Kastell (hier im Hintergrund) mit einem einnehmenden Kastellan (alleine für das Betreten des Aufstiegs zur Burg verlangt er - selbstverständlich ohne irgendein Hinweisschild - 3 DL), starker negroider Einschlag der Bevölkerung, in der Altstadt einige Strassenhändler mit Silberschmuck nach Tuareg-Motiven, Schmuckdolchen und einem starken Interesse an Tauschhandel (ihr letztes Angebot: 3 Krummdolche gegen meine Breitling-Armbanduhr). Gegen 14:00 verlieren Renate und ich Alfons bei seinen Tauschgeschäfte in der Altstadt. Wir suchen noch ein Café auf, die anderen tröpfeln ebenfalls nach und nach bei uns ein und um 15:05 beginnt unsere Heimreise.
 

Übernachtung in Al Awaynat
12.10.1998
20:00 - 6:00
Kerstin deutet uns fachkundig die Sterne.
 

Fahrt ins Akakus-Gebirge
13.10.1998
8:30 - 11:00
Unsere Landrover-Crew vom Idhan Ubari ist wieder eingetroffen. 08:30 Start theoretisch, 10:00 Start praktisch (nach kurzem Tuareg-Turban-Tuch-Kaufstop). Bis 11:00 über Geröllebenen dem Gebirgsfuß zu.
 

Akakus-Gebirge
13.10.1998
11:15 - 12:45
Zunehmend rücken bizarre schwarzbraune Felsformationen, entstanden aus Eruptivgestein, eingebettet in ockerfarbenen Sand, näher. Wir glauben - in der den Menschen innewohnenden Gewohnheit, alles vergegenständlichen zu wollen - einen Riesenfrosch oder zwei sich knutschende Enten zu entdecken. Kleine Fotostops bei einer auf einem schmalen Fundament stehenden Gesteinssäule (mit Hubert dahinter und Volker daneben), einem Überhang mit roten Felszeichnungen eines Rindes und zweier Männer und einem Wasserloch. Mittagspause in einem schmale Wadi. Ich erklettere, wie manch andere auch, einen Felsen mit Blick hinab ins Wadi. Es ist ein gutes Klettergestein, mit vielen Griffmulden und Tritten.
 

Mittagspause und mehr im Akakus-Gebirge
13.10.1998
14:00 - 14:30
Nach dem Mittagessen (Salat, Brot und Apfelsaft) lese ich einige Sätze aus "Durch die Wüste" vor, als unsere Fahrer lauter werden. Sie haben in der Nähe ihres Mittagslagers unter einem Fels versteckt eine Sand- (oder Horn-?)Viper entdeckt. Einer der Fahrer lockt sie mit einem Stock aus ihrem Versteck heraus, fixiert ihren Kopf mit einer Astgabel in den Sand und lässt uns unsere Aufnahmen machen und Streicheleinheiten verteilen. Erst als sie anfangen, die Schlange mit Benzin zu beträufeln, um sie etwas zu benebeln und träge zu machen, regt sich leichtes Murren gegen diese Behandlung dieses Geschöpfes der Wüste. Später lassen sie alle von ihr ab. - Wir fahren weiter zu Felszeichnungen, die für Spötter Gabelstapler, für Gläubige aber aramantische Streitwagen darstellen. In einem großen Naturfelskessel unter einem Überhang finden sich weitere Rötelfelszeichnungen sowie der Farbgrundstoff, ein Gestein, das zerrieben den eine gut haftende Farbe liefert. - Durch natürlich entstandene Felsbrücken hindurch fällt der Blick auf Kürbisgewächse und vereinzelte Akazien. - Nach einem Stop fällt uns spontan ein neues Spiel ein: unser "Toyota-Lotto": Wer die Minuten vom Start des letzten Landrovers bis zur nächsten Panne am besten schätzt, gewinnt. Bernward gewinnt mit 1 Minute Differenz, ich bin zweiter, Christoph dritter. Ulla liegt mit ihren geschätzten 18 Minuten weit und viel zu optimistisch über der nötigen Siegerzeit: 14 Minuten. - Die Landschaft verliert langsam diesen bizarren Kontrast zwischen den schroffen schwarzen Felsen, die in weichen ockerfarbenen Sand eingefaßt sind. Geröllfelder und braune Gesteinsformationen in vertrauteren Erosionskegeln dominieren langsam. Unser Nachtlager finden wir in einem Taleinschnitt, der mit Sand gefüllt, uns ein weiches Nachtlager bietet. Beim Lagerfeuer stimmen unsere Fahrer, während einer Brotteig knetet und im heißen Sand das Brot dann ausbackt, Tuareggesänge an. Müde ziehe ich mich vor dem Abendessen von der Runde zurück.
 

Morgenstimmung in Akakus-Gebirge
14.10.1998
7:00 - 7:05
Um mich herum verteilt, im Abstand von 10 bis 30 m, liegen vereinzelte Schlafsackhäufchen, aus denen es teilweise leise schnarchelt. Etwas unterhalb, innerhalb des Hufeisens, zu dem die Landrover aufgestellt sind, liegen auf den Matten im Sand diejenigen von uns, die keinen eigenen Schaumstoffunterlagen dabei haben. Langsam kommt Leben in die Schlafsackhäufchen, es rekelt sich und tuschelt. Es ist mittlerweile taghell. - Kurz vorm Aufbruch.
 

Fahrt mit Hindernissen
14.10.1998
8:30 - 12:00
Weiter durch Akakus-Gebirge mit unserem Fahrer Hassan. An einem Abzweig steigen alle Fahrer aus und beginnen zu palavern. Ihnen war nur noch ein Vormittag in der Wüste angekündigt worden, jetzt erfahren sie, dass sie erst am Nachmittag nach Al Awaynat zurückkehren. Verhandlungen mit ihrem Management bewirken dann doch die Weiterfahrt durch die Wüste zu weiteren Felszeichnungen. - Ein defekter Anlasser wird durch intakte Anschieber ersetzt.
 

Mittagsrast
14.10.1998
12:00 - 14:15
Unter einem Überhang der Mittagshitze entgehend. Lese nach dem Mittagessen einen Artikel aus Huberts Fundus vor: Beschreibung einer Libyenreise (aus dem ZEIT-Magazin, 26.09.97).
 

Heimfahrt
14.10.1998
14:15 - 14:30
Erneutes Toyota-Lotto. Renate schummelt: um mit ihren wenigen Minuten Vorgabe zu gewinnen, lässt sie ihren Fahrer nach wenigen Minuten halten. Ihr Fehler: sie lässt ihn nicht die Motorhaube öffnen. Bernward lag dagegen mit seinen 12 Minuten genau: Reifenpanne.

Zügige Fahrt zurück ins Camp nach Al Awaynat
14.10.1998
14:50 - 16:30
 

Abendessen
14.10.1998
19:00 - 21:00
Nach Vorbestellung wird es pünktlich(!) serviert. - Eintrag ins Gästebuch.
 

Weiterfahrt
15.10.1998
8:40 - 12:10
Nach Frühstück und Nachfüllen des großen Wassertanks geht's jetzt endgültig auf den Heimweg über Gadames.
 

Einkaufsstop in Ubari
15.10.1998
12:25 - 12:30
Kurzes Bunkern von Quark, Milch und Keksen.
 

Fahrt mit Mittagsrast
15.10.1998
12:30 - 15:15
Rückfahrt auf bekannter Strecke. Einkauf von Gemüse und Wassermelone an einem Gemüsestand am Strassenrand (Peperoni rot und grün, Granatäpfel). LKW-Reifen mit verfetzter Karkasse liegen wie vereinzelte Kamelgerippe liegen wie PKW-Torsi am Strassenrand. Bei unserer Mittagsrast (mit Tee, belegtem Brot, Wassermelone und Keksen) erregen wir die Aufmerksamkeit von 5 Feldarbeitern aus Niger, denen wir einige Kekse anbieten. Kurze Zeit später kehren sie zu uns zurück und beschenken uns überreichlich mit Datteln. Aus diesem Anlass ein kleines Loblied auf die sonnengegerbten, fast schwarzen Datteln des Wadi Adjal und der Oasen der Mandara-Seen: Weich-saftig oder zäh mit Biss oder knusprig und zucker-spröde, in allen Variationen ein Genuss. Dattelpalmen, die wie Unkraut zu wuchern scheinen und karamelartige Kaubonbons zum Pflücken bereithalten. Und deutlich schmackiger als die sirup-feuchten Datteln, die in Deutschland zur Vorweihnachtszeit erhältlich sind.
 

Tankstop
15.10.1998
15:35 - 15:45
233 l Diesel für 26 Dinar getankt (oder 20 Pfennig / 1 l)
 

Bewirtung in Sebha
15.10.1998
16:45 - 17:45
Wir halten wieder vor dem Café - wie vor 5 Tagen. Der Leiter der Landrover-Agentur (Mustafa) überrascht uns mit Abzügen der Fotos, die er an den Mandara-Seen und im Akakus-Gebirge geschossen hat, sowie mit Kuchen und Apfelsaft. - Bemerke bei der Ausfahrt aus der Stadt erstmals in Libyen armselig wirkende Wellblechsiedlungen; Dritte-Welt-Slum in der Metropole im Süden Libyens.
 

Start in den Tag
16.10.1998
8:10 - 8:15
Zwischen Sebha und Brak waren wir gestern gegen 19:00 rechts in eine geteerte Strasse, die parallel zu einer Hochspannungsleitung verläuft, abgebogen. Brettflache Sandwüste. Hubert ist nicht so ganz glücklich wegen der Einsehbarkeit unseres Nachtlagerplatzes, aber für eine Nacht und eingedenk der Ferne von weiteren Menschen und Mücken stellt es kein Problem dar. - Gemeinsame Zubereitung des Abendessens unter Giovannis Anleitung. -  Wir empfinden die Morgenfrische erstmals unangenehm. Habe trotzdem geduscht (hier mit Bernward). Frühstück in Jacken und langen Hosen.
 

Broteinkauf bei Brak
16.10.1998
8:45 - 9:15
Durchfragen zur Backstube, dort Anstehen und schließlich ein Korb voll für einen halben Dinar. - Wir fahren, fahren, fahren, nur gelengtlich unterbrochen durch kurze Pausen.
 

Mittagsrast in Gariyat
16.10.1998
14:15 - 15:15
Wir machen eine kurze Mittagsrast in einem der kleinen Restaurants gegenüber dem "Desert Coffee". Einige bestellen sich eine Mahlzeit: Couscous, Bohnen, Salattellerchen, halbes Hühnchen und Tee, alles für 5DL.
 

Fahrt Richtung Westen
16.10.1998
15:30 - 18:30
durch topfflaches mondlandschaftsartiges Gelände
 

Nachtlager
16.10.1998
18:30 - 23:00
ca. 180km westlich Gadames. Giovanni zaubert Pasta mit Tomatensauce (aus frischen Tomaten), Hubert Schokoladenpudding
 

Start in den Tag
17.10.1998
8:30 - 9:00
Am Morgen weht ein kräftiger frischer Wind aus SSW. Ich bleibe heute der einzige, der die Solardusche zu einem Vollduschgang nutzt. Kerstin mit Morgen-Wanderausstattung, Frühstück in Wintermontur.
 

Pseudoakribische Polizeikontrolle
17.10.1998
10:30 - 10:45
zwischen Darj und Ghadames die bisher schärfste Kontrolle: Der Zivilpolizist beließ es nicht bei der Entgegennahme der üblichen Fotokopie mit all unseren Passdaten, sondern begann auch, in sein großes Kontrollbuch diese Daten in Arabisch einzutragen. Nach Huberts war gerade Connys Pass in Bearbeitung, als zwei LKW durch unseren Dachzeltbus an der Durchfahrt gehindert waren. Schlagartig erlosch sein Interesse an der weiteren Protokollierung und wir konnten weiterfahren.
 

Altstadt in Ghadames
17.10.1998
14:00 - 15:30
Fantastisches Gewirr weißgekälkter Mauern. Durchgänge mit gemauerten Bänken an den Seitenwänden. Staubig und dunkel, aber angenehm kühl. Die Hitze der Wüste und die Geräusche der Stadt bleiben draußen. Kleine Seitengänge, oft Sackgassen, enden oft nach 5-8 Metern vor verschlossenen Türen. Ein Eldorado für "Verstecken Spieler". Die Mauern sind häufig mit Dreieck-Zinnen-Bändern in Stuckmanier geschmückt. Holzbalken überspannen die Durchgänge, die Menschenmassen, die hier früher gelebt haben, und das bunte Treiben vergangener Zeiten muss man sich mit etwas Phantasie leider vorstellen. Jetzt zeugen nur noch die Spuren der adidas- und Teva-Siegel im Staub der Gänge davon, dass hier vor kurzem unsere Touristenkolonne durchgezogen war. - Kurzer Aufstieg auf ein Dach, um weitere Dächer aufzunehmen. Jürgen im Gegenschuss. - Ergiebige Quellen bewässern immer noch die Gärten hinter der Altstadt.- Schlechtes Englisch, aber gute Absichten.
 

Abendessen in Ghadames
17.10.1998
19:15 - 20:15
Suppe, Couscous mit halbem Hahn, ein weiterer halber Hahn mit Salat, Kuchen, Tee, Wasser für 12 DL pro Person.
 

Gespräch auf dem Campingplatz in Winzeric-Camping
17.10.1998
20:30 - 21:00
Unterhaltung mit einem libyenerfahrenen österreichischen Pärchen. Ihre Beobachtungen zu Veränderungen in Libyen: er öffnet sich langsam dem Tourismus (auf Tourismusbörsen in der BRD hatte sich in diesem Jahr die Fläche des libyschen Standes im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, sie sind in diesem Jahr mehr Touristen als in den Vorjahren hier begegnet, erstmals wurden sie in diesem Jahr von Kindern nach "stilos" und Feuerzeugen gefragt, manche Vorjahresdreckhalden sind verschwunden), aber es bleibt immer noch ein Land für Individualreisende (z.T. wegen der bis zu 5 Stunden dauernden Grenzkontrollen).
 

Morgen-Standgericht in Ghadames
18.10.1998
7:00 - 8:30
Ulla hatte irrtümlich Hannes Schlappen angezogen, um von der Dachzeltetage zum Bus hinabzusteigen, wo sie zum Duschen in ihre Badeschlappen wechselte. Hanne war etwas entrüstet, als sie - in Ullas Sandalen stehend - Ulla unterstellte, mit ihren Sandalen unter der Dusche zu stehen. Die Konsequenz: ein faires Standgericht, mit Bernward als Ankläger, Kerstin als Verteidigerin, Hanne als Nebenklägerin und mir als Richter. Das Urteil, frühstücksbegleitend gefällt: 1 Stunde Sozialdienst im Bus, am nächsten Donnerstag zu verrichten und eine Runde Bier für alle in Tunesien. - Kurze Fahrt zum Markt, Eindecken mit Obst und Gemüse für heute abend. - Christoph lasst sich seine Schuhe putzen; macht dann allerdings den Fehler, die Schuhe anzubehalten. Nach einem Tag auf staubigen Wegen sahen sie wieder relativ ungeputzt aus.
 

Tankstop in Darj
18.10.1998
10:45 - 11:00
217l für 24DL
 

An der Abbruchkante des Djebel
18.10.1998
15:15 - 15:45
Bernward fühlt sich frei ...

Stadtbesichtigung in Nalut
18.10.1998
16:15 - 17:45
Besichtigung der verfallenen Altstadt und des darinliegenden Ksar, einer langsam vor sich hin bröselnden Speicherburg. "Hubbel" (Hubert) hat erst noch nach dem Kastellan suchen müssen, bevor er mit einem Jungen mit Zugangsschlüssel für das Holztor zurückkehrte. Viele Waben, mit niedriger Geschosshöhe, mit z.T. eingemauerten Amphoren (Bild 1, Bild 2). Alles sehr steil und brüchig. Schade um den Zerfall dieser Altstadt am Steilhang des Djebel.
 

Nachtlager
18.10.1998
18:30 - 8:15
An einer in Djessour-Technik angelegten kleinen Anbau-Ebene.
 

Fahrt nach Zuara
19.10.1998
8:30 - 10:45
Vorbei an vereinzelten scheinbar frei herumziehenden Kamelen und Kamelherden.
 

Libysche Grenzpolizei
19.10.1998
12:20 - 13:35
Gepäckkontrolle ist zwar angekündigt, findet dann aber doch nicht statt.
 

Tunesische Grenzpolizei
19.10.1998
13:40 - 14:25
... und die Uhr wieder eine Stunde zurückgestellt.
 

Stadtbummel in Ben Gardane
19.10.1998
14:45 - 16:00
Erster Ort hinter der Grenze. Erfrischend, nach den ausschließlich arabisch beschrifteten libyschen endlich wieder die (in der Regel) zweisprachigen Hinweisschilder verstehen zu können. Weniger angenehm die nicht vermisste Anmacherei und Aufdrängelung zum Kauf. Das Warenangebot richtet sich eindeutig an die einheimische Bevölkerung, kaum typische Touri-Angebote.
 

Überfahrt nach Djerba
19.10.1998
17:15 - 17:20
Flache Insel. Palmenhaine. Hotelburgen, aber architektonisch nicht erdrückend.
 

Übernachtung in Djerba
19.10.1998
19:30 - 20:00
Auf einem Campingplatz hinter dem Sidi Slim-Hotel. Andere Camper mit einem Schäferhund lassen ihrem Hund offensichtlich genügend Auslauf; zumindest liegen an unserem Bushalteplatz diverse Häufchen und stinken entsprechend. Die Duschen geben nur salziges Wasser von sich. Vom Nachbarhotel plärrt die lautsprecherverstärkte Stimme eines Animateurs herüber. Unser erstes Bier (und unser zweites Bier) nach zwei Wochen Zwangsabstinenz macht die Umgebung erträglicher. Insgesamt lauter Eindrücke, die den Wunsch verstärken, in der kommenden Nacht wieder eine Außen-Übernachtung zu machen.
 

Leichter Nieselregen
20.10.1998
4:00 - 4:30
Weckt uns auf, bleibt aber glücklicherweise so schwach, dass wir nicht erwägen, die Zeltplane aufzuziehen.
 

Strandspaziergang auf Djerba
20.10.1998
7:45 - 8:45
Strandreinigungskolonne. Im Dauernieselregen (Volker und Conny und Heiko und die anderen).
 

Stadtbummel in Houmt Souk
20.10.1998
9:45 - 11:00
Sehr touristisch eingestellte Einkaufsstrassen in der Altstadt.
 

Tee in Medenine
20.10.1998
13:00 - 14:30
Die Stadt sieht heute etwas schlichter als auf unserer Hinfahrt aus. Kein Wochenmarkt, der Himmel trägt eine geschlossene Wolkendecke und ich freiwillig die lange Jeans wegen der Kühle. Die Stadt scheint keine Geheimnisse mehr zu bergen. Ich sitze in einem Café am Hauptverkehrskreisel, der Lärm reißt nicht ab, der Tee schmeckt zu bitter und zu süß. Am Café sitzen - leider selbstverständlich - nur  Männer. Gruppen von Schulmädchen ziehen vereinzelt vorüber, Gruppen von - bekannten - Touris ebenfalls. Die Sonne bricht durch und sofort wird es heiß. Alte Männer mit traditioneller Kleidung, mit Kopftuch und in Decken gehüllt oder auf einem Eselkarren sitzend, junge Männer mit Jeans und Baseballkappe, alle selbstverständlich gut frisiert. - Lebensmitteleinkäufe mit Sabine, Giovanni und Hubert.
 

Wohnhöhlenbesichtigung in Matmata
20.10.1998
17:00 - 17:45
Habe alleine zerfallende Wohnhöhlen besichtigt. In einer, die besonders nach "Tier" roch, fand ich zu meiner Überraschung ein angeleintes Kamel.
 

Regenabend in Gabes
20.10.1998
19:30 - 21:30
Angesichts der unbeständigen Wetterlage verzichtet Hubert auf ein Außenübernachtung. Wir fahren stattdessen wieder zur JH nach Gabes. Eine Entscheidung, die sich als sehr vorausschauend zeigt: Kaum sind wir mit den letzten Bierchen und den Vorbereitung fürs Abendessen (Salat, Pasta mit Tomatensoße und Obstsalat) fertig, öffnet der Himmel seine Schleusen - und das Abendessen wird im Bus eingenommen, sofern man nicht wetterfest angezogen ist (wie  Sabine oder Jürgen - mit der Gefahr, nach drei Wochen mit den Dachzelten zu verwachsen). Bald ist der Boden vollgesogen, schnell bilden sich kleine Teiche. - Aufgrund der Rahmenbedingungen entscheide ich mich - für mich immer noch nicht nachvollziehbar wieder als einziger - zu einer Übernachtung in der JH.
 

Laute Nacht in Gabes
21.10.1998
4:35 - 5:05
Die ganze Nacht stürmte es heftig in den Palmen, mit Blitz und Donner. Um 4:35 und um 5:05 wurde das Wedelrauschen untermalt durch die lautstarken Rufe der Muezzin zum Gebet. Gegen 7:00 bricht 25m neben mir mit Krachen die Krone einer Dattelpalme ab und stürzt zu Boden.
 

Regenfahrt
21.10.1998
8:30 - 13:00
Durch Sfax (11:15) bei Dauerregen und grauem Himmel
 

Colosseum in El Djem
21.10.1998
12:30 - 13:30
Beeindruckende Amphitheaterruine aus römischer Zeit
 

Stadtbesichtigung in Sousse
21.10.1998
16:00 - 17:30
Großreinemachen nach dem Regen in der Medina. Im Souk in (fast) jedem Laden der gleiche Ramsch: Tonwaren mit mediterranen Motiven, Plüschkamele, Silberschmuck, "Marken"-T-Shirts, Kamelleder-Taschen. Trotzdem interessant, weil zum großen Teil überdachte Gänge, schmale Wege zwischen den Häusern backstage.
 

Empfang in der JH in Nabeul
21.10.1998
19:30 - 21:00
Etwas kühler Empfang durch den Herbergs"vater". Ich belege wieder ein Bett in der Jugendherberge, Jürgen duscht sich bereits. Nachdem der Herbergsvater etwas penetrant auf das Auffüllen der Anmeldeformulare hinwies und wir seiner Bitte nicht schnell nachkamen, schloss er kurz entschlossen die Eingangstür zu unseren Räumen ab. Während wir die Zettel ausfüllen, fährt zu allem Überfluss und -druss noch ein  Polizeiwagen vor, der allerdings nach einem kurzen Gespräch mit dem Herbergsvater wieder abdreht. Echt abtörnend! Die Nacht selber verlief für mich gut und mückenfrei, für die Dachzelter mit Regenschauer und Mücken.
 

Großreinemachen in Nabeul
22.10.1998
8:00 - 9:30
Großputz am und im Bus. Durchputzen allen Bestecks und Geschirrs, aller Schalen und Tiegel, Ausfegen des Busses und der Zeltböden.  Und Umräumen des persönlichen Gepäcks.
 

Letztes Bad im Mittelmeer in Nabeul
22.10.1998
9:45 - 10:15
Bin als einziger unserer Gruppe noch im Mittelmeer kurz baden gewesen. Das Wasser ist deutlich kühler als vor einigen Tagen bei Sabrata, mit einer starken Drift Richtung Süden. Das Wetter ist auch nicht einladend, der Himmel fast durchgängig bewölkt und die Temperaturen eher kühl.
 

Lockerer Stadtbummel in Nabeul
22.10.1998
11:00 - 14:15
Mit Ulla, Kerstin, Bernward, Jürgen und Christoph durch den Ort gezogen. Angenehme Atmosphäre in der Altstadt; keine aufdringliche Anmache. Angebotsschwerpunkt auf Keramikartikeln. Von Bernward als witzig empfundener Dialog zwischen mir und einem Händler im Souk: Der Händler kommt auf mich zu. Ich grüße: "Hi". Er: "Was?" "Hi" "Was?" "Hi" "Willst Du was kaufen?" "Nö". - Langsamer Bummel zurück zum Strand und ein Coke am Strandpavillion.
 

Letzter Strandaufenthalt in Nabeul
22.10.1998
15:00 - 17:00
Angenehme Lufttemperatur. Nicht zu heiß, aber wärmende Sonnenstrahlen. Small Talk (u.a. mit dem Ergebnis, dass offensichtlich keiner der Mitreisenden Kinder hat).
 

Abendzeremonie in Nabeul
22.10.1998
18:30 - 18:45
Überreichung des Abschiedsgeschenks, eines neuen Regenschirms mit anhängenden Geldscheinen. Ich bemühe mich, der Ehre gerecht zu werden, eine kleine Laudatio zu halten. Kerngedanken: Der Schirm wird, verbunden mit drei Wünschen, überreicht: 1. Hubert bei Bedarf  Schatten oder Trockenheit zu spenden. 2. Ihn an unsere Gruppe zu erinnern, die er in Harmonie erlebt und geführt hat. 3. Ihn und den Dachzeltbus symbolisch zu beschirmen vor jeglicher Art von Mangel und Unbill. Das Geld solle ihm den Erwerb eines Seideninlets für seinen Schlafsack erleichtern.
 

Abendessen in Nabeul
22.10.1998
19:00 - 21:15
im Restaurant Primavera, schräg gegenüber dem Bahnhof. Ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis.
 

Aufwecken in Nabeul
23.10.1998
3:57 - 5:00
Die 3 Wecker, die ich gestern abend gesetzt hatte, wecken zuverlässig um 3:55, 3:57 und 3:59. Duschen und letztes Einpacken. Plötzlich brannte die rechte Kontaktlinse im Auge so heftig, dass ich sie fast herausriess. Sie ging dabei verloren ... Verstauen des Gepäcks im Bus und Start.
 

Fahrt zum Flughafen in Tunis
23.10.1998
5:00 - 6:10
Durch die Dunkelheit, diesmal ohne Staus, in dichter werdenden Nebel hinein.
 

Einchecken in Tunis
23.10.1998
6:15 - 6:45
Überraschend lange Schlangen an den beiden Check-In-Schaltern zu diesen frühen Zeiten. Nach der Gepäckaufgabe ein letztes Hogging mit "Hubbel". - Was haben wir hinter uns?  Rein quantitativ: 5400km mit dem Dachzeltbus, 90km mit den Landrovern zu den Mandara-Seen und 150km durchs Akakus-Gebirge. Oder pekuniär: Persönliche Gesamtreisekosten DM 3853,-, davon (aufgeteilt in die klassischen Haushaltsbuchkategorien) 12% für Nahrungsmittel und Getränke, 2,3% für Bildung und Unterhaltung, 1,2% für Kleidung und Schuhe, 0,3% für Wohnungsmiete und Energie, 5,6% für Sonstiges und - den Löwenanteil der reinen Reisekosten enthaltend - 78,4% für Verkehr und Nachrichtenübermittlung. - Was bleibt an kulturellen Neuprägungen? "Giovanni, Giovanni!" bedeutet "Let's go!", "Hubbel" ist der Nickname von Hubert, Codeworte für nächtlich sich nähernde Gestalten (im Klartext: Gruppenmitglieder, die nach dem Pieseln in der Wüste zurückkamen) waren "Ali Bert", "Grüner Ali Bert" und "Giaur". Die neutral-offene Grundhaltung der Libyer uns Touris gegenüber, ein Land, das sich zusehends dem Tourismus öffnet und eine Natur, die nach dem Passieren der obligaten Müllgürtel um die Städte herum noch voller Unberührtheit zu verzaubern vermag.
 

Flug Tunis - FFM
23.10.1998
8:05 - 11:45
TU744. Wieder mit Verspätung (20min) gestartet. Im Rhein-Main-Airport herzliche Verabschiedung von den Mitreisenden und noch herzlicherer Empfang durch Doris.



Nachtrag: 5./6.12.98 - Nachtreffen am Feldberg im Taunus in etwas kühlerer Umgebung.


Zurück zur Übersicht