Eindrücke eines Kurzaufenthalts auf Sylt

2003-01-02 bis 2003-01-04

Nach Görlitz, Oberstdorf und Selfkant führte mich der letzte noch ausstehende Stempel im Zipfelpass nach List auf Sylt. Die folgenden Impressionen sind im wesentlichen während einer Wanderung um den Ellenbogen, den nördlichen Nehrungshaken der Insel Sylt, entstanden.

Von der Jugendherberge List aus führt der kürzeste Weg zur Nordsee bei geschlossener Wolkendecke und winterlich-trübem Wetter an weidenden Schafen und am Cafe-Restaurant Weststrandhalle vorbei. Amüsant ist, dass in diesem - laut Eigenwerbung - nördlichstem (und de facto auch nord-westlichstem) Restaurant Deutschlands als Spezialität eine Speise aus dem äusserstem Südosten, nämlich Salzburger Nockerl, angeboten werden. - Der Hinweis auf den Badestrand inmitten von Eis und Schnee wirkt ähnlich deplaziert wie z.B. eine Warnung vor Schneeverwehungen im August. Über eine Holztreppe die durch Strandhaferbewuchs befestigten Dünen hinab, immer hart an der Brandungslinie entlang, dort wo der Sand fest und gut begehbar ist. Bei Temperaturen von -6°C und einem schneidenden Wind reicht auch mitunter das Fellchen unter der Haut alleine nicht aus. - An der Nordkante des Ellenbogens hatte man in den vergangenen Jahrzehnten mit unterschiedlichsten Verfahren versucht, den Sandabtrag durch die Meeresströmung zu reduzieren. So wie hier mit Spundwänden, von denen nach wenigen Jahren nur noch scharfkantige Rostreste zeugen, oder wie andernorts mit Tetrapoden, waren alle Verfahren eher kontraproduktiv und führten durch neue Wirbelbildungen eher zu einer Zunahme des Sandabtrags. - Bei den niedrigen Temperaturen bildeten sich Eisschollen, die die Illusion einer Wanderung in der Antarktis aufkommen ließen. In den Buchten wie hier am Leuchtturm List West sammelten sich die Schollen. Ein einsamer Seehund lagerte auf dem Eisstrand; obwohl ich ihn weiträumig zu umgehen versuchte, näherte er sich mir in wahrscheinlich aggressiver Absicht ... Die Wanderer sind gehalten, die Dünen nicht auf Trampelpfaden zu durchstreifen, sondern nur auf den markierten Wegen. - Kurz nach der Umrundung der Ostspitze des Ellenbogens führte der Weg über eine mautpflichtige Straße an Deutschlands nördlichsten Ferienwohnungen in Üthörn und wieder am Leuchtturm List Ost vorbei. Ein letzter Blick auf einige Schafe und nach weiteren Kilometern endete mein Gewaltmarsch wieder an der Jugendherberge. - Am folgenden Mittag, kurz vor der Rückfahrt, noch ein Spaziergang durch Westerland (hier ein Blick von der Strandpromenade herab). - Sylt ist sicher noch eine weitere Reise wert ...

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Volker B. Radek