Kleiner Bericht zum Edersee bei niedrigem Wasserstand
2003-10-05
Die Eder entspringt östlich von Siegen in der Nähe der Lahn-
und Siegquellen, durchfliesst den Nordwesten Hessens und mündet
bei Edermünde in die Fulda. Die Eder, im Sommer ein harmoses
Flüsschen, war - besonders in den Wintermonaten - der
gefährlichste Hochwasserfluss im gesamten Einzugsgebiet der
Weser. Daher war - neben einer geregelten Wasserführung auf der
Weser und dem Mittellandkanal und der Stromerzeugung durch ein
Laufwasserkraftwerk - der Hochwasserschutz ein wichtiger Grund für
den Bau der Edertalsperre. Errichtet in den Jahren 1909 bis 1914,
staute der Damm die Eder auf einer Länge von 27 km auf (Karte).
Hoch über dem unteren, dem
östlichen Teil des Edersees thront die Burg
Waldeck. Auf einem Felsengipfel, auf fast allen Seiten steil
abfallend, war die Burg bereits 1120 nachgewiesen. Der dem Edersee zugewandte Teil der Burg, der
"Eisenbergische Flügel", wurde im 13. Jahrhundert errichtet,
während der nördlich des Burghofs gelegene Teil, der
"Wildunger Flügel", aus dem 16. Jahrhundert stammte. Immer wieder
öffnet sich der Blick auf die Burg.vom
Seeufer aus.
Die Staumauer hält mit ihrer
Länge von 400 Metern eine Wassermasse von bis zu 200 Millionen
m³ zurück. In diesem wasserarmen Sommer sank
das Volumen dagegen auf 30 Millionen m³ ab, der Wasserspiegel fiel um 25 Meter. Geländeteile
und Gebäudereste, die lange Zeit unter der Wasseroberfläche
verborgen blieben, treten als "waldeckisches Atlantis" zutage. Eine
Wanderung über den jetzt fast gänzlich trocken gefallenen
Seegrund ist schon ein eigenartiges Erlebnis, fast wie eine kleine
Reise in die Vergangenheit. Eine der Sehenswürdigkeiten ist der alte Friedhof von Berich, dessen Gräber mit
einer Betondecke versiegelt wurden. Die Schifffahrt (hier
die Anlegestelle unterhalb der Jugendherberge Waldeck, im Hintergrund
die Staumauer) ist durch den geringen Wasserstand deutlch
eingeschränkt. 2 km weiter westlich lag das Dorf Berich. Heute
erinnert ein Gedenkstein an die Aufgabe des
Dorfes vor nahezu 90 Jahren. Die Gebäude sind bis
auf die Grundmauern abgetragen, über die ehemalige Besiedlung
informiert heute eine Schautafel. Die Dorfwege werden auch nicht mehr so richtig in Schuss
gehalten, obwohl sie heutzutage sicher stärker
besucht werden als vor der Flutung. Noch 3 km weiter liegt die Bericher Hütte, die über mehrere
Jahrhunderte der bedeutendste Hüttenbetrieb im Fürstentum
Waldeck war. Neben der Infotafel erinnern auch hier nur noch die
Grundmauern an die Vergangenheit. Neben der Hütte ist bei
Niedrigwasser ein Modell der Staumauer (hier die
Mauerkrone) zu sehen. - Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die alte Ederbrücke bei Alt-Asel, das am besten
erhaltene Bauwerk des alten Edertals. Sie wurde 1982 restauriert und
steht heute unter Denkmalschutz. Eine Personenfähre, die an dieser
Stelle sonst den Edersee überqueren hilft, liegt derzeit
auf dem Trockenen. Dafür überzieht ein zarter grüner Teppich die weiten Auen und weckt
Erinnerungen an die Zeiten, als die Eder noch ungebunden durch ihr Tal bei Waldeck mäandern konnte.
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