Die Burgruine Weinsberg

Impressionen eines Besuchs in der Burg Weibertreu 2003-09-30

Das malerische Städtchen Weinsberg mit seiner Burgruine Weibertreu hat nicht nur durch die Schönheit seiner landschaftlichen Lage, sondern vor allem durch historisch bedeutsame Ereignisse ein eigenes Gesicht erhalten. Die Burg ist gegen Ende des 10. Jahrhunderts entstanden und gehört damit zu den ältesten in Baden-Württemberg. Die Geschichte der treuen Weiber hat den Namen Weinsberg sogar über Deutschlands Grenzen hinaus bekanngemacht.
    
Den Hintergrund der Geschichte bildeten die Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen um die deutsche Königskrone im 12. Jahrhundert. Herzog Heinrich der Stolze von Bayern und Sachsen, ein Welfe und Schwiegersohn Kaiser Lothars, beanspruchte nach Lothars Tod die Königskrone. Die Reichsfürsten fürcheten jedoch seine Macht und wählten stattdessen im März 1138 Konrad den III., einen Hohenstaufer, zum deutschen König. Heinrich der Stolze erkannte die Wahl von Konrad nicht an. Nach Heinrichs Tod 1139 übernahm Welf VI., der Burgherr von Weinsberg, die Verteidigung der Interessen von Heinrichs minderjährigem Sohn. Um seine Ansprüche durchzusetzen, begann Konrad III. Mitte November 1140 die Belagerung der Burg Weinsberg. In einer Entscheidungsschlacht außerhalb der Burgmauern wurde Welf mit seinen Truppen vernichtend geschlagen, die staufische Führung des Reiches wurde durch Konrads Sieg bei Weinsberg besiegelt. Die Burgbesatzung musste sich ergeben. Konrad erlaubte aber mit "königlichem Edelsinn" den weiblichen Mitglieder der Burgbesatzung nicht nur freien Abzug, sondern gestattete, dass "jede mitnehmen dürfe, was sie auf ihren Schultern tragen könne." Entgegen den Erwartungen trugen die Frauen nicht ihr Hab und Gut, sondern ihre Männer auf den Schultern aus der Burg herab.
Heutzutage ist der Name der Stadt den modernen Nomaden eher durch das Autobahnkreuz Weinsberg im Sulmtal bekannt. Bei guter Sicht geht der Blick bis zum 90 km entfernten Pfälzer Wald, bis zum Odenwald oder nur bis zum benachbarten Schemelsberg. Die Burg ist immer noch von einer halbwegs intakten Mauer mit Wehrgang umgeben, die vereinzelt von engen Ausfallpforten durchbrochen ist. In der Nordostecke der Burganlage steht wohlerhalten der Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Dicke Turm, der mit seinen 6 m dicken Mauern für Feuergeschütze bestimmt war. Treppen führen in das tiefe Gewölbe des Tumes hinab. In den Schiessscharten wurden in der Biedermeierzeit Windharfen (Äolsharfen) eingebaut, die auch heute noch ein feines Sirren erklingen lassen. - Die Dunkelheit bricht langsam herein, der Heimweg führt über den historischen Zufahrtsweg hinab, vorbei an erntereifen, zuckersüssen Weintrauben, wachsend auf Hängen, die so manche Geschichte erlebt haben ...

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