Weite Werra-Wege
Radtour 2000 des ADFC Bad Homburg
2000-06-22 (Donnerstag): Von Bad Salzungen nach Gerstungen
Die diesjährige Mehrtagestour des ADFC Bad Homburg führte uns
an die Werra, deren Verlauf wir 200 km lang begleiten durften. Aber der
Reihe nach: Unsere Tour beginnt - wie auch die Mehrtagestouren der Vorjahre
- gegen 09:00 mit einem Treffen am Bad Homburger Bahnhof (01)
und einer S-Bahnfahrt zum Frankfurter Hauptbahnhof. Dort stießen
noch drei weitere Radler zu uns; die Gruppe war mit 11 Teilnehmern komplett.
Etwas stressig gestaltete sich die Fahrt mit dem Interregio nach Eisenach.
Schon im Vorfeld waren unserem Tourenleiter Ergin Preise von DM 56,- bis
DM 99,- pro Nase für die Fahrkarten genannt worden; er schlug bei
DM 56,- ein. Obwohl sämtliche Fahrkarten rechtzeitig bestellt worden
waren und wir Reservierungen für unsere Fahrräder vorweisen konnten,
verlangte der Zugführer während eines Zwischenstopps, dass fünf
unserer Fahrräder sofort auszuladen seien. Durch gutes Zureden konnten
wir ihn glücklicherweise von seinem Vorhaben abbringen. Die Weiterfahrt
von Eisenach nach Bad Salzungen
gestaltete sich deutlich stressfreier (hier am Bahnhof Bad Salzungen, 02).
Nach einer kurzen Mittagspause am Ort begann die eigentliche Tour bei bedecktem
Himmel gegen 14:00 über verkehrsschwache Strassen auf dem relativ
gut ausgeschilderten Werratal-Radweg. Hinter Tiefenort begann ein erster
knackiger Anstieg über den Kraynberg. Die drei "Leistungsträger"
unserer Gruppe haben sich noch den Aufstieg zur Burgruine Kraynberg gegönnt,
während alle anderen direkt über Kieselbach wieder ins Werratal
zurück rauschten. Unser Weg führte uns an ehemaligen Kalibergwerken
vorbei, die mit ihren Salzfrachten noch in den achtziger Jahren zum hohen
Salzgehalt in Werra und Weser beitrugen. Den nächsten Zwischenstopp
legten wir am Marktplatz in Vacha ein
(03). "Als Thürigens älteste Stadtsiedlung,
817 erstmals erwähnt, seit 1186 Stadtrecht, zeigt sich Vacha dem Besucher
heute wieder in seiner mittelalterlichen Pracht. (...) Gepflegte Gastronomie
lädt zum Verweilen ein."und sowas lassen sich die Genußradler
des ADFC Bad Homburg nicht zweimal vorlesen (Zitat entnommen aus der empfehlenswerten
Radwanderkarte Werratal-Radweg, 1:50.000, 2. Auflage, 1999, Bielefelder
Verlagsanstalt). In Philippsthal haben wir uns für die Alternativstrecke
durch den Wald entschieden (Achtung: nach ca 1 km nicht den Weg zur Werra-Wiese
hinab nehmen, sondern auf dem ganz leicht ansteigenden Weg bleiben.). Unser
Tagesziel haben wir gegen 18:00 erreicht: die Gaststätte "Thüringer
Zipfel" in Untersuhl. Der Name erinnert an den Verlauf der Landesgrenze,
der hier zu DDR-Zeiten die Autobahn
A 4 zweimal kreuzte und die Autofahrer zu einem Schlenker runter von
der Autobahn über nördlich liegende bundesdeutsche Landstrassen
zwang. In den folgenden Tagen passierten wir noch mehrmals die ehemalige
Staatsgrenze der DDR, wobei nach nur zehn Jahren kaum noch Spuren der ehemaligen
Grenzbefestigungsanlagen zu erkennen waren. - Die ersten Bierchen hatten
wir uns verdient (04). (52 km)
2000-06-23 (Freitag): Von Gerstungen nach Mihla
Nach einem guten Frühstück (05) führte
uns unser Weg an der Rundkirche (06) in Untersuhl
vorbei. Auf milden Protest einiger Radler hin liess sich unser Tourenleiter
erweichen, dieser Kirche einen Besuch abzustatten. Ein engagierter Untersuhler
Bürger, Herr Börner, sah uns die Kirche umkreisen, ahnte unsere
Wünsche und schloss die Kirche mit einem Schlüssel und seinen
beschreibenden Worten für uns auf. Dieses einmalige Bauwerk, dessen
Erbauungszeit im Dunkel der Geschichte liegt, stellt sich seit nahezu 300
Jahren unverändert dar (07). - Bei wechselhaftem
Wetter und sinkenden Temperaturen war dieses Kätzchen auch sicher
für etwas Fürsprache und Wärme dankbar (08).
In Hörschel, dem nördlichen Endpunkt des Rennsteigs,
verliessen wir den Werratal-Radweg zu einem Abstecher nach Eisenach.
Die drei Stunden, die wir uns hier zur freien Verfügung gönnten,
nutzen die "Leistungsträger" zu einer Auffahrt zur Wartburg, während
der Großteil der Gruppe das kulturelle Angebot in der Kulturstadt
Eisenach vorzog. Die Empfehlung des Chronisten: ein Besuch im Geburtshaus
Johann Sebastian Bachs. Neben Mobiliar und Hausrat aus der Zeit um
1700 werden im Rahmen einer kleinen Einführung in Leben und Werk des
begnadeten Musikers einige seiner Kompositionen auf historischen Musikinstrumenten
live angespielt (hier der Chronist beim Spielen einer Sarabande auf einem
Orgelpositiv aus dem Jahre 1722, 09). Bei leichtem
Nieselregen (10) bildeten sich auf Elkes Rücken
(Mountainbike, ohne Schutzblech) markante Sprenkel und Feuchtzonen (11).
Bis Creuzburg
hatte sich das Wetter wieder etwas gebessert; wir statteten der 500 Jahre
alten Liboriuskapelle (12) und - nach Überqueren
der alten Werrabrücke (13) - der romanischen
Burganlage der Creuzburg einen Besuch ab. Unser heutiges Tagesziel in Mihla
wurde von Ergin bis zuletzt geheim gehalten: das Graue Schloss. Ein ehemaliger
Herrensitz, der im 16. Jahrhundert erbaut wurde, und jetzt als Hotel und
Restaurant genutzt wird. Nach dem Abendessen im Grauen Schloss zogen wir
noch durch die Gemeinde, deren Angebote auf dem Schützenfest (wie
"Lady-Strip") zumindest unsere weiblichen Mitradler nicht so ansprachen
- und die "Werra Dream Boys" standen nicht auf dem Programm.
(64 km)
2000-06-24 (Samstag): Von Mihla nach Bad Sooden
Am Morgen nutzen wir den Dauerregen zu einer Führung durch die erste
Etage des Grauen Schlosses. Die Tiere des Hauses boten sich hierbei zum
Liebkosen an (14, 15). Bei einem
Abstecher nach Treffurt
mit seinem denkmalgeschützten Stadtkern lockte uns der Regen und der
Duft frischen Gebäcks in ein Cafe am Marktplatz (16).
Durch ehemaliges Niemandsland bei Altenburschla und Wanfried führt
der Radweg nach Eschwege. Gegen 13:45 liessen wir uns dort zu unserer Mittagsrast
in einer Pizzeria nieder. Bei weiterhin wechselhaftem Wetter erreichten
wir schliesslich unser Tagesziel in Bad
Sooden-Allendorf, das Hotel Schaper. Der Stadtteil Allendorf bezaubert
durch seine intakten und weiträumigen Fachwerkensembles (17).
In einer der Seitenstraßen brütete geballter Sachverstand, wie
die zusätzlichen Fanfaren noch im Motorraum unterzubringen sind (18).
Leider trieben uns Gewitter vom malerischen Allendorfer Markplatz, auf
dem ein Weinfest stattfand, in eines der umliegenden Restaurants (19).
Jörg studiert schon mal auf unserem mitgeführten Weltatlas den
Verlauf unserer morgendlichen Route (oder so) (20).
(62 km)
2000-06-25 (Sonntag): Von Bad Sooden nach Hann. Münden
Nach dem obligaten Frühstücksbuffet spaltete sich die Gruppe
zeitweise: eine erweiterte Gruppe um unsere "Leistungsträger" fuhr
zum Grenzmuseum Schifflersgrund
hoch (21). Auf mittlerweile historischem Boden stehen
Grenzbeobachtungsturm, Fahrzeuge und Hubschrauber der ehemaligen Grenztruppen
der DDR zur Besichtigung bereit. Nach einer rauschenden Abfahrt bot sich
die Gelegenheit, radlerische Solidarität zu zeigen (es tut ja auch
weh, eine Gruppe von Radlerinnen zu sehen, die bergab(!) ihre Fahrräder
schieben): einer Radlerin war durch einen Speichenbruch die Hinterradfelge
so verzogen, dass die Felge an den Bremsbacken blockierte. Schnell die
Bremsbacken etwas geöffnet, einige benachbarte Speichen etwas gelockert
und die Fahrt konnte zumindest vorsichtig fortgesetzt werden (22).
Die Unzahl von Schnecken auf unserem Weg provozierte die Frage eines Mitradlers,
ob wir beim "Schneckentreffen" mitmachten. Selbstverständlich, so
eine Antwort, denn in Kürze würden wir ja auf den Teil unserer
Gruppe stoßen, die im Werratal geblieben waren. Über Feldwege
und schwach befahrene Autostraßen verlief unser Weg durch Witzenhausen
bis nach Hann. Münden,
unserem Tagesziel. An dieser Stelle (23 von vorne
und 24 von hinten) endet die Werra und beginnt mit
der Einmündung der Fulda die Weser. Nach einer Stunde in dem leider
überlaufenen Fachwerkidyll im Weserbergland trafen wir uns alle wieder
im Bahnhof, um nach einem Umsteigen in Kassel mit modernen Doppelstockwagen
(25) nach Frankfurt zurück zu fahren. Einige
letzte Aufnahmen am Frankfurt Hauptbahnhof (26, 27)
und die S-Bahn brachten uns wohlbehalten wieder nach Bad Homburg zurück.
(50 km)
ADFC Bad Homburg
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